Er war ca. 17 Jahre jung, der gepflegte junge Mann, der mir auf der Straße
entgegen kam und vergnügt lachte. Dann schaute er nach oben zum Himmel und lachte noch mehr. Als er direkt vor mir stand, zeigte er lachend und auffordernd
nach oben, bis ich den Kopf hob und wissen wollte, was ihn so fröhlich machte.
Als ich den Blick hob, gab er mir mit dem Zeigefinger einen kleinen Stups ans Kinn und wollte sich schier kugeln,
weil ich auf seinen kleinen Trick hereingefallen war.
Wir lachten gemeinsam, denn seine Fröhlichkeit war wirklich ansteckend.
Irgend etwas an seiner Art machte mich so besonders vergnügt und ich überlegte, was es war, als ich meinen Spaziergang fortsetzte.
Er hatte eine verkrüppelte linke Hand gehabt und auch sonst war seine Motorik etwas gestört, aber das schien ihn nicht weiter zu bekümmern. Ob er geistig auf voller Höhe war,
konnte ich nicht erkennen. Es war keine Schadenfreude in seinem Gesicht gewesen darüber, dass er mich "hereingelegt" hatte, sondern Freunde darüber, dass er mich zum Lachen gebracht
hat.
Eines zumindest hatte er vielen Menschen voraus, er war offensichtlich ganz ohne Arg und Häme.
Immer wieder ist mir in meinem Leben aufgefallen, dass Menschen, die wir als "geistig minderbemittelt, aber harmlos" bezeichnen, wie z.B. die Menschen mit Down-Syndrom, voller Vertrauen sind, und
es nicht nötig haben, andere Menschen niederzumachen. Sie müssen sich nicht messen und haben nicht den Anspruch, sie zu besiegen.
Damit sind sie außerordentlich seltene Exemplare in einer Gesellschaft, die offensichtlich nur noch Spaß daran hat,, wenn andere versagen, überlistet und reingelegt werden;
wenn es anderen schlechter geht, als ihnen selbst, dann fühlen sie sich endlich ein bisschen überlegen.
Ein trauriges Zeugnis dafür, wie es um das Selbstwertgefühl der Menschen heutzutage bestellt
ist.
Ich möchte mich bei dem jungen Mann dafür bedanken, dass er mir sein Lachen geschenkt hat, einfach so, und die Sonne an diesem Frühlingstag noch ein bisschen wärmer scheinen ließ.
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