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  • : Klar-Text von "madame federkiel"
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  • : Auf diesem Gedanken-Strich treibt Madame "federkiel" Gedankenjonglage und Wortartistik, sagt ganz subjektiv ihre Meinung, gibt Tipps, kess, vorlaut, besinnlich, liebenswert aber immer heiter bis.... bissig!
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  • madame federkiel
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Geboren: vor Lichtjahren in Hamburg
Wesenszüge: Unerschütterliches Selbstvertrauen gepaart mit Menschenliebe und guter Laune.
Mein Leben habe ich als ständige Herausforderung verstanden. 
Viele Wege bin ich gegangen. Langweilig war es zum Glück nie.
  • madame federkiel Geboren: vor Lichtjahren in Hamburg Wesenszüge: Unerschütterliches Selbstvertrauen gepaart mit Menschenliebe und guter Laune. Mein Leben habe ich als ständige Herausforderung verstanden. Viele Wege bin ich gegangen. Langweilig war es zum Glück nie.

Wo Finde Ich...

3. Juni 2008 2 03 /06 /Juni /2008 21:45

Dass die Deutsche Bahn AG, wenn es darum geht, Managergehälter zu zahlen, äußerst großzügig ist, wissen wir inzwischen.

Wenn es allerdings darum geht, Verantwortung zu übernehmen, haben die Opfer, die während des Zugunglücks von Eschede im ICE 884 Wilhelm Conrad Röntgen saßen,  den  Sparzwang der DB zu spüren bekommen.


Als bitterböses Beispiel möchte ich das Schicksal eines jungen Mannes schildern.

Ich traf ihn fünf Jahre nach dem Zug-Unglück. Er fiel mir dadurch auf, dass er sehr fahrig war und ständig reden musste.
Er war etwa Mitte dreißig und hatte gerade seinen Beruf wechseln müssen. Eigentlich konnte er sich überhaupt nicht konzentrieren.
Irgendwann fragte ich ihn, was mit ihm los sei. Darauf hat er mir seine Geschichte erzählt.

Er hat Aids, aber nicht akut, und konnte sich bisher die besten Medikamente leisten. Seine Familie wollte nichts von ihm wissen, es interessierte sie auch nicht, wie er zu der Krankheit gekommen war. Für sie existierte er nicht mehr. Es ging ihm soweit gut - bis Eschede.


Vor dem Unglück war er ein beliebter Frisör gewesen, der sehr gut verdiente. Aber nun konnte er nicht mehr so lange stehen und überhaupt nicht mehr viel arbeiten.


Als die Waggongs des Zugs ineinander krachten, durchbohrte ein Eisenteil seinen Brustkorb, das man erst einmal abschweißen musste, um ihn zusammen damit ins Krankenhaus bringen zu können. Er war bei vollem Bewusstsein, lebensgefährlich verletzt und wurde dann in ein künstliches Koma versetzt.


Als er nach vielen Monaten daraus erwachte, hatte er keine Wohnung und keine Arbeit mehr, weil keiner wusste, wer er war und er für seine Umwelt einfach nicht mehr existierte.

 
Als er sich endlich kümmern konnte, speiste die DB ihn mit einer Umschulung ab, obwohl die Ärzte ihm bescheinigten, dass er weder physisch noch psychisch jemals wieder in der Lage sein würde, voll zu arbeiten. Er war und ist bis heute traumatisiert und kann die schlimmen Bilder im Kopf nicht loswerden.


Die DB argumentierte, dass ja nicht auszuschließen sei, dass er wegen seiner Aids-Erkrankung sowieso früher oder später arbeitsunfähig geworden sein könnte  - und lehnte jegliche weitere Unterstützung und Wiedergutmachung ab.

 
Er wohnt in einem WG-Zimmer, weil er nicht mehr alleine sein kann mit seinen Ängsten, und lebt von staatlicher Unterstützung.

 
Bis heute zahlte das Unternehmen bis 2008, nach eigenen Angaben, 37 Millionen Euro an Entschädigungsleistungen - 30.000 DM für jedes Todesopfer, an die Überlebenden entsprechend weniger - die Logik dieser Aufschlüsselung verstehe wer kann, ich nicht. Lediglich wenige, die sich sehr gute Anwälte leisten konnten, haben Millionen-Abfindungen bekommen. Wer kein Geld dafür hatte, bekam eben "Trinkgeld"!

Das Unternehmen betont, dass die geleisteten Zahlungen bei weitem die in ähnlichen Fällen von der Rechtsprechung zugesprochenen Leistungen überstiegen hätten!?!

Auch wenn man der DB bis heute keine "direkte" Schuld für das Unglück nachweisen konnte, so saßen die Verunglückten doch in Zügen, für deren Sicherheit die DB verantwortlich ist. Wer Schuld hat, das herauszufinden und dafür in Regress zu nehmen ist somit allein Sache der Bahn.

Wenn das unser Rechts-System nicht so sieht, ist dieses System nicht in Ordnung!


Ich weiß nicht, wie viel 1998 der damalige Bahnchef an Jahresgehalt bekam - es wird sicher auch 'ne Million Euro gewesen sein.

Und das, obwohl er es zu verantworten hat, dass die schon 1992 ausgesprochenen Warnungen des Fraunhofer-Instituts bezüglich der Materialermüdung der Radreifen und diverse Mängelmeldungen in den Wind geschlagen wurden.

Was gilt schon ein Menschenleben, solange es noch genug andere Fahrgäste gibt!

Übrigens gibt die DB in ihrer Homepage mit dem
Zug der Erinnerung
an, der auf die Deportierungen im Dritten Reich hinweist. Kein Wort davon, dass dieser Zug für jeden Halt in den Bahnhöfen "Miete" an die DB zahlen musste.

Das passt doch gut zur Firmenphilosophie!

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Kommentare

tasha 06/10/2008 21:48

es gab ja die letzte zeit aufgrund des "10jährigen" jede menge dokumentationen. ich habe mir fast jede angesehen und wie vor 10 jahren auch, bin kopfschüttelnd dargesessen! unfassbar! ein konzern wie die DB hat die betroffenen mit 30.000 dm abgespeist und sich mit hilfe der irrwitzigsten gutachtern die unschuld erkauft! kein jurist konnte dem technischem fachchinesisch mehr folgen, mit der quintessenz - verfahrenseinstellung! gut eingefädelt sag ich mal!
ich kann dabei gar nicht so viel essen, wie ich kotzen müsste!
was mich erstaunt hat... alle reportagen waren pro-opfer eingestellt! logisch! bis auf eine! die lief auf der ARD, da klang mehr verständnis für die bahn durch, als für die geschädigten ( mein persönliches empfinden ) und wobei ich richtig aufstossen musste - was läuft bei solchen reportagen in den werbeblöcken auf allen kanälen? JEPP! bahnwerbung!

madame federkiel 06/10/2008 22:16


Es ist uns wieder einmal demonstriert worden, was in Deutschland "unbürokratische Hilfe" letztendlich bedeutet und wieviel ein Menschenleben wirklich wert ist.

Menschenwürde bei uns = wir würde(n) ja gerne, aber wir verkneifen es uns.
Unsere Rechtsprechung und das Verhalten der Bahn in diesem Fall ist erbärmlich!

Die Bahn ist dür die Sicherheit ihrer Züge verantwortlich und muss sich dann um "die Schuldigen" kümmern und klagen.
Das auf die geschädigten Bahnkunden abzuwälzen, ist eine Unverschämtheit!