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  • : Klar-Text von "madame federkiel"
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  • : Auf diesem Gedanken-Strich treibt Madame "federkiel" Gedankenjonglage und Wortartistik, sagt ganz subjektiv ihre Meinung, gibt Tipps, kess, vorlaut, besinnlich, liebenswert aber immer heiter bis.... bissig!
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  • madame federkiel
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Geboren: vor Lichtjahren in Hamburg
Wesenszüge: Unerschütterliches Selbstvertrauen gepaart mit Menschenliebe und guter Laune.
Mein Leben habe ich als ständige Herausforderung verstanden. 
Viele Wege bin ich gegangen. Langweilig war es zum Glück nie.
  • madame federkiel Geboren: vor Lichtjahren in Hamburg Wesenszüge: Unerschütterliches Selbstvertrauen gepaart mit Menschenliebe und guter Laune. Mein Leben habe ich als ständige Herausforderung verstanden. Viele Wege bin ich gegangen. Langweilig war es zum Glück nie.

Wo Finde Ich...

10. August 2008 7 10 /08 /August /2008 10:22

Folgender Beitrag vom 6.2.08 hatte ein Nachspiel, das ich am Schluss hier kommentieren möchte.

Vor kurzem veröffentlichte ich eine kleine skurrile Geschichte von mir in einem Lyrik -Forum.
Sie beginnt mit der Formulierung:
"Gedankenversunken gehe ich so vor mich hin...."
Ich wurde daraufhin von einer jungen Frau ziemlich rüde kritisiert, was das denn für eine seltsame Formulierung sei, sie sähe sofort eine mittelalte Frau vor sich... mit anderen Worten, für sie bin ich jetzt die verschrobene Alte, obwohl sie nichts von mir weiß!   ;o)))

Dabei kenne ich fast alle neuen gängigen Redewendungen; mein persönliches Umfeld sind hauptsächlich 30 bis 40-jährige, aber ich wüsste nicht, was die Befindlichkeit besser beschreiben würde, als die von mir benutzten Worte.


Wie wir unsere Gedanken in Worte kleiden ist wichtig dafür, dass andere Menschen uns gut oder weniger gut "verstehen", und das im Sinne von Verständnis. Sprache als Kleidung unserer Gedanken ist ein wichtiger Teil unserer Alltags-Kultur.

Wie sieht es aus mit unserer "Alltagskultur"? Sind wir mehr und mehr schlecht gekleidet?

Kultur fängt bei der Sprache an, denn  Sprache unterscheidet  Mensch von Tier - und die Bewahrung regionaler Sprachen/Dialekte ist die Bewahrung eines Stücks Kultur.

Es ist ein Unterschied, ob man Fremdwörter gebraucht - wie zum Beispiel "Toleranz" für die es kein wirklich gleichwertiges Wort in unserer Sprache gibt - oder ob wir es zulassen, dass unsere Sprache langsam verschludert durch Überfrachtung mit völlig unnötigen plakativen Anglizismen.

Wir sind nicht weniger kosmopolitisch, wenn wir unseren eigenen Sprachgebrauch wahren, unsere eigenen Begriffe kreieren, so es Sinn macht.


Muttersprache ist ja auch ein Stück "Zuhause"
und ich finde, es wird immer weniger "heimelig" bei uns. Die "Gemütlichkeit" ein absolutes deutsches Unikat, wird gegen ein Stück Bedeutungslosigkeit eingetauscht mit dem wir offenbar "allen gefallen"  wollen.


Dabei ist das durchaus nicht so! Meine Freunde aus der realen weiten Welt sehen mit Erstaunen, wie wir uns Amerika anbiedern.  Und dass wir die Simplizismen (simpl ist in Bayern und Östereich nicht umsonst das Synonym für "bisschen einfach gestrickt"!) der Amerikanischen Sprache sogar so weit treiben, dass wir sie in Deutsch nachmachen.


Es fiel meinen chinesischen Freunden als Erstes "Geiz Ist Geil" ins Auge, was sie damit kommentierten, dass der Chinese als solcher gerne spart - aber Geiz!!! Nein, das fanden sie dann doch eher unsymphatisch! ;o( 


Zum Glück hat man eines meiner Lieblingswörter wieder ein bisschen hoffähig gemacht - das SCHMUNZELN.

Das habe ich Schokolade mit Ohren dran zu verdanken, die immer für eine lila Pause wirbt - was immer das auch sein mag.


Wir werden sicher weiter multilingual versorgt durch unsere Mitbürger mit Migrations-Hintergrund, aber wer sich in einer Kultur zuhause fühlt, muss auch etwas dafür tun, dass es so bleibt.

Und so werde ich zumindest weiter ältere Redewendungen und Wort-Schätzchen pflegen, mit denen mich ein ganz bestimmtes Gefühl verbindet und die ich nicht missen möchte.

Eine Sprache wird nie puristisch bleiben, dafür sorgt schon die internationale, technische Entwicklung.


Aber den Facetten-Reichtum einer Sprache auf Kosten plakativer Reklamesprüche zu vernachlässigen finde ich im Hinblick auf unser kulturelles Niveau bedenklich, denn das  bedeutet auch, immer weniger genau Befindlichkeiten ausdrücken zu können - ein bisschen mehr Sprachlosigkeit.


Mit Stilblüten, geboren aus unserer Anglizismen-Verliebtheit befasse ich mich sicher auch noch einmal, aber erst einmal gehe ich Einkaufen und hole mir auf dem Rückweg vielleicht einen "Kaffee für'n Weech!" weil ich  Hamburgerin bin und schon Laufen gelernt habe. DAZU brauche ich keinen Kaffee!

Und Sie schreiben mir vielleicht mal, welche Wort-Schätzchen sie aufbewahrt haben. Vielleicht  können wir sie gemeinsam etwas pflegen und aufpolieren, damit sie wieder im Licht  stehen?

Nachdem ich reichlich Kritik
in dem angesprochenen Lyrikforum bekommen hatte, nicht nur für die zitierte Geschichte, weil man meinen Sprachgebrauch zu "altbacken" und einfältig fand, hatte ich kurz darauf eine Lesung zu halten, zu der ich mich hatte breitschlagen lassen.
Ich ging mit gemischten Gefühlen dort hin, aber wollte dennoch gerade ein paar von den besonders abgestraften Sachen lesen, um es am "lebenden Objekt" zu testen.

Der Raum war gut gefüllt, allerdings kaum ein bekanntes Gesicht zu sehen.
Zweimal 20 Minuten sollte ich lesen - es wurden 40 und 50 Minuten -  15 Min. Pause nur,  weil ich sie brauchte. Danach unterhielt ich mich mit den Gästen noch lange, und ausgerechnet nach den besinnlichen, ernsten Geschichten fragten sie und warum ich nicht mehr davon gelesen hätte....
Es mag ja heute bei den "Autoren" modern sein, mit vielen Umschreibungen, Flachsinn  und sprachlichen Winkelzügen auf den Punkt zu kommen. Aber mindestens so wichtig ist, WAS man zu sagen hat, denn wenn der Inhalt nicht stimmt, nutzt auch die Verpackung nichts!

Ich schreibe, wie ich spreche und halte meine Ausdrucksweise nach wie vor für allgemeinverständlich. Offenbar ist das, zumindest bei meinem Publikum, gut angekommen.


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Published by madame federkiel - in Der zweite Blick
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Kommentare

Wortschätzchen (Sylvia Wollny) 11/22/2008 11:03

Guten Morgen, auf der Google-Suche nach der Trefferquote mit meinem Nick bin ich auf Ihre Seite gelandet (neugierig wie Frauen so sind, wollte ich doch wissen, wer hier Wort-Schätzchen hütet und pflegt ).
Ich empfinde es auch so, dass unsere schöne Sprache vernachlässigt wird. Erst kürzlich habe ich einen Gedankentext zu diesem Thema auf meiner Seite veröffentlicht. Hier nachzulesen: http://www.geschaeftsbrief-online.de/61.html
Dafür verfolge ich dieses Wochenende mit Spannung den Ausgang des International Poetry Slam 2008 in Zürich. In diesen Beiträgen wird die deutsche Sprache zelebriert. Ich hatte die Ehre und das große Vergnügen, das Finale in Tübingen "Raus mit der Sprache" moderiert und begleitet von Helge Thun und Jakob Nacken im LTT Tübingen zu erleben und eine Reportage zu schreiben.
Ach ja, auch ich bin oft gedankenversunken und fühle mich dabei nicht "altbacken" sondern tanke daraus viel Kraft und gebäre neue Ideen. Wer mich dann dabei beobachtet, fragt im Anschluss meist: na was hast Du jetzt wieder ausgebrütet?
Ich wünsche Ihnen ein herrliches Wochenende und moin moin nach Hamburg.

Sylvia Wollny


madame federkiel 11/23/2008 04:07


Danke! Da schau ich doch gern mal vorbei! ;o)


zwiderwurz 10/24/2008 00:07

versteh die kritik nicht, du bist ja nicht auf der welt um so zu sein, wie dich andre möchten...vielleicht hättest schreiben sollen: hyper chillte ich, universell angehaucht durch die streets und der text liegt open sourced im netz, aus dessen interkulturellen untiefen sich viren high level lösten und sich mit den readern verknüpften ... probiers mal ist lustig

madame federkiel 11/23/2008 03:32



In den 70-gern hatten wir das schon mal; am liebsten wurden irgendwelche unzusammenhängende Befindlichkeitsbeschreibungen aneinandergereiht und diese dann der
Öffentlichkeit als Gedicht serviert:
Der Postmann klingelt
heute gibt's kein Frühstücksei
in Japan ist ein Sack Reis umgefallen
meine Schwester hat ihre Tage
Wesentlich an solchen "Gedichten" war, dass sie "anders" waren, als die  der  Altvorderen, denn sooo konservativ wollte man nicht
sein.


Ich mache sowieso MEIN Ding, ob das gerade "in" ist, oder nicht! ;o)









Sprechakt 08/11/2008 10:28

"Gedankenversunken gehe ich so vor mich hin" - was ist daran altbacken und einfältig? Das trifft die Befindlichkeit sicherlich auch von jungen Leuten! Gut, die würden vielleicht sagen "ich hab' mir voll die Gedanken gemacht" ... Die Frage des guten Sprachstils hängt natürlich auch etwas vom persönlichen Geschmack ab, aber so viel Toleranz sollte man in einem Lyrik- (oder anderen) Forum doch aufbringen. Liebe Frau Federkiel, schreiben Sie ruhig weiter "altbacken" und "einfältig", ich erlaube mir das mit meinen 33 Jahren genauso und fühle mich dabei nicht wie 70! Meiner spanischsprachigen Schwägerin ist übrigens als erster deutscher Satz "SAU SAU BILLIG" (Baumarkt-Werbeslogan) aufgefallen.

madame federkiel 08/11/2008 13:05


Die setzten entweder auf sehr "progressiv", oder gefielen sich in kunstvoll verschnörkelter Sprache, die ich immer "von hinten durch die Brust ins Auge" nenne, weil
man es vermeidet, auf den Punkt zu kommen. Das ist dann Kunst.

Mir egal, ich schreibe wie ich spreche und auch vorlese.
Wenn mir jemand vorwirft, "dass dort aber die vollendete Vergangenheit hingehören würde" und der Text deshalb grammatikalisch überarbeitet werden muss, denke ich mir, dass das stimmt, ABER WER
SPRICHT SO GESTELZT?
Ich bin ein Erzähler und kein Schriftsteller und mag Leute unterhalten und  auch mal zum Nachdenken anregen.
Ich muss gerade mal nachsehen, ob John Steinbeck und Sinclair Lewis sich auch ordentlich an die grammatikalischen Regeln gehalten haben, und von Ringelnatz und C.Bukowski weiß ich, dass es ihnen
sch....egal war/ist. ;o)>